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Es war an einem
Vorfrühlingsabend, an dem grad die Temperatur wieder in den Keller ging, als
ich in Karlsruhe von der Autobahn Richtung "Tollhaus" fuhr. Nicht irgendein
Tollhaus, DAS Tollhaus!
Die Karlsruher Stätte, die wo sich alle wichtigen Künstler die Türe i n die
Hand geben. Waren es vor ein paar Wochen noch die Transsylvaniens -um nur
die zu nennen, die irgendeinen Bezug zu Rumänien haben- oder heute der von
mir herbeigesehnte Termin, an dem ich die Fanfare Ciocarlia treffen durfte.
Bewaffnet mit meiner großen Digitalkamera, einem digitalen Recorder um die
Schulter gehangen, trat ich in das Foyer dieses Ortes ein.
Donnerwetter, es war doch schon jede Menge los. An der Bar tummelten sich
schon die Menschen, die Tische auch schon vollbesetzt, was mich aber
eigentlich nicht interessierte, ich wollte ja in's allerheiligste, in den
Backstagebereich. Da kommt schliesslich nicht jeder rein. Der Tubaspieler
der
Truppe (wusste ich erst hinterher, das er das war) begleitete mich dann in
den Dressroom der Fanfare Ciocarlia und stellte mich dem Entdecker und
Manager der Truppe -Henry Ernst - vor.
Verstohlene Blicke von mir zur Seite, zu den Mitgliedern der "Fanfare"
zeigten mir, dass diese Leute ganz normal sind. Keine Starallüren, witzige,
weltoffene Menschen. Das gefiel mir. Mit Henry Ernst verabredete ich mich
nach dem Konzert, dann will er mir ein paar O-Töne dolmetschen.
So ging ich also zurück in den Zuschauerraum, in dem sich etwa 200 Zuschauer
befanden und stellte mich gleich in die Mitte direkt vor die Bühne. Ich
wollte ja schließlich schöne Fotos machen.
Etwa 20 Minuten später ging das Licht aus, der Spot an, und die Fanfare kam
unter dem Beifall und Jubel der Zuschauer auf die Bühne. Zuschauer? Was war
dort passiert? Als ich mich nämlich umdrehte, um zu sehen wieso so viel
Beifall kam, merkte ich erst , dass der Saal mittlerweile "rammelvoll" war.
Denke mal, dort gehen 600-800 Leute rein. Eigentlich sollte man meinen, dass
sich
nun eine große Anzahl von Rumänen, von Roma im Saale aufhielten. Das war
aber mitnichten so. Vereinzelt konnte man an der typischen Bekleidung Roma
erkennen, aber die Fans der Gruppe rekrutieren sich aus allen Lagern. In der
späteren Pause, konnte ich mit einem Musiklehrer reden, der auch begeistert
von dieser Musik war. Er meinte solch eine Musik solle man mal in einem
großen Bläserwettbewerb in einem (Bier)zelt machen, da würden die Zuschauer
wohl auf den Tischen stehen. Sogar einige Asiaten -vermute mal Japaner-
fanden sich im Saal ein.
Dann ging es los. Die großen Instrumente waren im hinteren Bereich der Bühne
auf einer Empore aufgestellt, die Trompeten, Saxophone und Drums vorne. Ich
kann jetzt die Titel nicht nennen,
weil ich sie einfach auch nur vom Hören kenne, aber es wurden wirklich DIE
Titel der Fanfare gespielt, die man kennt. Aus dem neuen aktuellen Album,
genauso wie die "alten" Hits . z.B.
Moliendo Cafe. Es war eine Stimmung im Saal, die wirklich heiß war. Da blieb
kein Bein auf dem Boden stehen, jeder wippte, oder tanzte zu den Klängen der
Fanfare. Zwischenzeitlich kamen auch
Tänzerinnen mit auf die Bühne , im Tzigan Look , und sorgten auch noch für
einen optischen Leckerbissen. Für mich war bewundernswert, wie die Gruppe
die Einsätze in Ihren Lieder -live so
exakt hin bekam. Da stimmte aber jeder Einsatz der Instrumente. Für ein
einzelnes Instrument ist das ja kein Problem, doch wenn 2 Trompeten, 2
Saxophone, Tuba und vielleicht noch Horn zur selben Zeit einen Einsatz
haben, und der dann exakt gleichzeitig beginnt, ist das schon eine Kunst.
Und dann wollen wir nicht vergessen, hier geht es nicht um deutsche "Uffttata-Blasmusik"
sondern um High-Speed-Musik. Das ist Rock'n'Roll. Das ist Jazzrock.
Verschiedene Passagen erinnerten mich an Klaus Doldingers Passport, dann
wieder kamen Erinnerungen an brasilianischen Samba auf. Karneval in Rio.
Es ist ein geiles Gefühl, wenn man selber Rumänien liebt, inmitten von solch
fabelhaften Musikern zu stehen und diesen fantastischen Klängen zu lauschen.
Zeitweilig kam ich mich vor, als wenn ich irgendwo in Rumänien stehe. Ein
ganz seltsames Gefühl überkam mich, sogar eine Sentimentale(?) Träne stand
in meinen Augen. Das war dann in dem Moment als der Senior der Truppe einen
Titel gesungen hat, den ich fragmenthaft verstehen konte (für die Leser die
mich nicht kennen, ich spreche (leider) nur sehr wenig rumänisch -aber ich
gelobe Besserung-).
Nun gut, nach etwa 2 Stunden war dann der letzte Titel gelaufen, die Jungs
verabschiedeten sich, wurden aber lauthals wieder herausgerufen, ohne
Zugaben lief da nichts. Als letzte Zugabe dann, wurden die Instrumente von
der Anlage abgekoppelt, und Fanfare Ciocarlia bewegte sich quer durch den
Saal , inmitten der Zuschauer und musizierten -so wie man das in Rumänien
beispielsweise bei Hochzeiten kennt- "unplugged" noch eine Weile im Foyer.
Gegen 23 Uhr schließlich kamen die Mitglieder der Fanfare zurück in den
Backstagebereich, den ich dann mit ihnen auch wieder betrat , um mit den
Leuten zum Abend zu essen. Das Catering war bereit, und es hatte wohl allen
sehr gut geschmeckt.
Nun durfte ich auch meinen Digitalrekorder zücken und mit den Leuten der
Kapelle reden. Ihr Entdecker , Henry Ernst, half mir denn beim Übersetzen.
Ich kann nur sagen es war interessant.
Das Ergebnis hören Sie am Sonntag den 1.April in der Sendung Romania - Die
Woche - als etwa einstündiges Special: Pur:Fanfare Ciocarlia! Als
Telefontalkgast dabei Henry Ernst, der, der die Gruppe in Zece Prajin in
Ostrumänien entdeckt hat. Mit Ihm werde ich über die Geschichte der Fanfare
Ciocarlia reden.
(c)
Dieter Schönberger - infotainment-radio-romania
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